Polizei macht Neonazis den Weg frei

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Aggressives Auftreten von Neonazis bei Demonstration in Nienburg am gestrigen Samstag. Angriffe auf Antifaschist*innen und Journalist*innen. Die Polizei ging  indes gewaltsam gegen den Gegenprotest vor.

von David Fischer

Nienburg. Am 19.11 veranstaltete die Neonazigruppierung „Freundeskreis Niedersachen/Thüringen“ einen Aufmarsch in Nienburg. Dem Aufruf der Neonazis folgten knapp 40 Faschist*Innen aus Verden, Wilhelmshaven, Braunschweig, Hannover, Burgdorf, Nienburg, sowie den Nazis aus dem Eichsfeld und der Region Göttingen. Unter ihnen war auch der lokale Aktivist Christopher S. Dieser hatte im letzten Jahr des Öfteren Antifaschist*innen bedroht und tyrannisiert. Die Demonstration meldete Jens Wilke unter dem Motto „Deutschland muss leben“ an. Erst am vor einer Woche, 12.11., griff dieser mittels „eine[r] Holzstange mit Eisenkern“ Antifaschist*innen an. Die Polizei setzte die Versammlung durch. Blockaden wurden rabiat geräumt und Gegenprotest in Sichtweite wurde gewaltsam zurückgedrängt. Es gab mehrere Ingewahrsamnahmen und zahlreiche Verletzte. Bereits im Vorfeld wurde die Route der radikalen Linken auf 500 Meter gekürzt, was einen Protest gegen die Faschist*Innen stark erschwerte.

Gewaltsames Vorgehen der Polizei gegen Gegenprotestler*innen
Gewaltsames Vorgehen der Polizei gegen Gegenprotestler*innen

Gewalttätiges Auftreten und Provokation seitens der Neonazis

Im Verlauf der Demonstration kam es am Rande zu einer Auseinandersetzung zwischen Antifaschist*innen und einigen Faschist*Innen. Augenzeug*Innenberichten zur Folge, zückte einer der Neonazis in der Auseinandersetzung zwei Messer und bedrohte die Antifaschist*innen. Verletzt wurde dabei niemand. Auch in der Demonstration kam es zu Übergriffen. Journalist*innen wurden mehrfach geschlagen und getreten.

Mit Ende der Neonazidemonstration kündigten die Teilnehmenden an, eine weitere Kundgebung in der Region durchzuführen. Diese hielten sie in Wunstorf vor der „Wohnwelt“ ab, während die Antifaschist*innen noch in Nienburg am Bahnhof festsaßen. Dem Aufruf folgten noch rund 20 Faschist*Innen der vorherigen Demonstration. Darunter bekannte Neonazi Ronny Damerow aus Hannover. Den Antifaschist*innen, die den nächst möglichen Zug nach Wunstorf nahmen, wurde der Ausstieg dort durch die Polizei verweigert. Wiederholt wurde durch die Polizei ein Gegenprotest verhindert.

Spotandemonstration von Antifaschist*innen durch den hannoverschen Hauptbahnhof
Spotandemonstration von Antifaschist*innen durch den hannoverschen Hauptbahnhof

Als die Antifaschist*innen im Folgenden am Hbf in Hannover ankamen, hatte die Polizei bereits ein Spalier gebildet und filmte die Kleidung und im Besonderen die Schuhe ab. Auf dem Weg aus dem Bahnhof, Richtung Kröpcke, versuchten Polizist*innen Antifaschist*innen festzuhalten, um deren Personalien aufzunehmen. Dabei wurde ein Minderjähriger Antifaschist durch Polizist*innen zuerst brutal gegen eine Wand und dann zu Boden gestoßen. Als der Antifaschist bereits am Boden lag rissen die Beamt*innen immer wieder an der Kapuze des jungen Mannes, wodurch dieser gewürgt wurde und resultierend schwere Atemprobleme erlitt. Die Beamt*innen stellten die Personalien fest, durchsuchten ihn und filmten den jungen Mann von Kopf bis Fuß ab. Er wurde anschließend in ein nahestehendes Krankenhaus eingeliefert. Er erlitt bei dem mehr als brutalen und überflüssig harten Einsatz der Polizei, starke Prellungen des Armes und diverse Schürfwunden am ganzen Körper.

Fotos findet ihr wie immer auf flickr.